von: Suzanne Regez

Leadlink Integrales Leben, Kursleiterin, Higher Female
am: 05.08.2020

RETREAT REVIEW

von: Suzanne Regez

am: 05.08.2020

ko rperarbeit am morgen

ko rperarbeit am morgen
SAMSUNG CSC

Da wir fünf Teilnehmer dabei hatten, welche zum ersten Mal ein Retreat besuchten, legten wir in den ersten zwei Tagen viel Wert darauf, die Basics der Schattenarbeit zu vermitteln. Hier eine kurze Zusammenfassung mit Beispielen:

Cleaning Up befasst sich hauptsächlich mit dem verdrängten Unbewussten (Quadrant oben links). Eigenschaften und Fähigkeiten, welche in unserer Vergangenheit nicht erwünscht waren und somit verdrängt wurden, können in der Gruppenarbeit an die Oberfläche kommen. Oft ist dies mit viel Schmerz und Wut verbunden. Ein Beispiel: D. ist wütend auf ihren Vater. Er hat sie als Kind ignoriert und ihr das Gefühl gegeben, nichts wert zu sein und nichts zu können. In der Gruppe sucht sie sich einen männlichen Stellvertreter für ihren Vater aus. Diese Gegenüberstellung bringt sie in die Lage, ihre Wut und ihren Schmerz über den "abwesenden" Vater an ihn zu richten. 

Beim Growing Up geht es um die Fähigkeit, sich in verschiedene Perspektiven hinein zu versetzen (hauptsächlich Quadranten oben und unten links). Unsere psychische, emotionale und geistige Struktur diktiert uns unsere Weltsicht. Je weiter wir uns entwickeln und die Bewusstseinsstufen erklimmen, umso umfassender und tiefer wird unsere Weltsicht. Wir sind in der Lage, sowohl unsere Weltsicht, wie auch die Weltsichten unter uns nachzuvollziehen. Wir haben die Stufen unter uns integriert. Als Beispiel siehe unten die Situation mit G.

Showing Up kann parallel zu Cleaning Up und Growing Up geschehen oder als Folge der Entwicklung unausweichlich werden. Ab einem bestimmten Punkt beim Growing up wird dem Individuum bewusst, dass es nicht nur um die eigenen Bedürfnisse, sprich das eigene isolierte Leben geht, sondern dass alles unmittelbar mit der Umwelt als System verbunden ist (alle vier Quadranten). Hier entsteht CARE und der Wunsch, seine Fähigkeiten und Kompetenzen in die Welt hinaus zu tragen. Als Beispiel siehe unten die Situation mit C.

Bei der weiteren Auseinandersetzung mit dem Schatten und unseren damit verbundenen Projektionen befassten wir uns mit einfachen und doch nach wie vor unbekannten Grunderkenntnissen: Solange wir Schatten haben, können wir nur anhand unsere Symptome erkennen, was das ursprüngliche Gefühl bei uns ist. Ein Beispiel: ich fühle Trauer, habe aber effektiv keinen Verlust erlitten, der diese Trauer begründen könnte. Schaue ich in die Welt hinaus, erfahre ich Wut. Echter Verlust würde in der Aussenwelt Mitgefühl hervorrufen. Zurückübersetzt heisst dies, dass ich wütend bin und meine Wut nach aussen projiziere. SAD=MAD!!!

Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Wahrnehmung der Teilnehmer verändert: Als es S. am vierten Tag gelingt, seine Wut in einer Körperübung komplett zu zu lassen, erkennt D. den Unterschied in seinem Gesicht sehr deutlich. Bei der Wut wird sein Blick klar und er ist in der Lage, die Übung noch weiter auszuführen. Sobald er dem Gefühl der Wut ausweicht, wird sein Blick weinerlich. Die Übung wird fast unhaltbar und er will nachgeben. D. berichtet anschliessend, dass sie diesen Unterschied noch nie so klar wahrgenommen hat. S. berichtet, dass sich der Unterschied aus der Innenperspektive auch klar unterscheidbar angefühlt hat.

Am nächsten Tag beisst sich die Gruppe in der Schattensitzung die Zähne an G. aus. Trotz vieler Versuche, ihn in das von aussen klar sichtbare Gefühl der Wut/Verzweiflung zu bringen (Körperübung, Provokation, Schattentheorie etc.), gelingt es uns nicht. Wir sind ratlos... A. bringt uns die Lösung. Die Entwicklungsfalle: im Verlauf der Entwicklung kann es durchaus auch ein "Pause-Moment" geben. Das Ego kann auf Mehr, Besser, Höher, Schneller fixiert sein, sodass einem entgehen kann, dass es im Moment nicht mehr zu "lernen oder zu fühlen" gibt. Die Tools und das Wissen sind da, es gilt alles anzuwenden und seinen Schwerpunkt zu festigen. Als bei G. der Groschen fällt, lässt etwas in ihm los! Er fängt an zu weinen und eine grosse Erleichterung überfällt ihn. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, dass es auch mal ok sein kann, "Entwicklungsferien" zu machen.

Nur einige Stunden später ereignet sich ein "Care-Drama" mit unserer Köchin C. Sichtlich gestresst und aufgewühlt kommt sie in die Schattensitzung und lässt ihrem Ärger freien Lauf. V. hat beim zubereiten des Mittagessens essbares Gemüse in den Kompost getan, statt es mit zu verarbeiten oder auf die Seite zu legen. C. sieht den Zusammenhang zwischen der Unachtsamkeit im Detail und dem grösseren Ganzen! Sie ist Mutter eines zweijährigen Jungen und wünscht sich eine lebenswerte Welt für ihren Sohn. Schnell wird der Zusammenhang zwischen Care, Wut und Schmerz klar. Ohne den Willen, etwas verändern zu wollen (Aggression), ist noch so viel Liebe, Care und Mitgefühl nutzlos. Und da wiederum muss der Schmerz zugelassen werden... 

Nach all diesen Ereignissen kristallisiert sich noch am selben Abend das Thema Loslassen als roter Faden dieses Retreats heraus! Die Beispiele von D., G. und C. zeigen es deutlich auf. Doch was gilt es individuell für jeden los zu lassen? Wohin lenken wir unsere Aufmerksamkeit, wenn es ums Loslassen geht? Wie sehen unsere Vermeidungsstrategien aus?

Bereits am nächsten Tag dringt dieses Thema des Loslassen wieder in unser Bewusstsein. Wir machen eine Übung mit dem Titel "Schnuller weg". Es geht darum, sich die Frage zu stellen, was oder wer einem an der persönlichen Weiterentwicklung hindert. Jeder Mensch hat ein Gefühl dafür, wo seine Hindernisse sind. Trägheit und/oder Angst sind die einzigen Gründe, warum man dieses Hindernis nicht aus der Welt schafft. Sobald dies klar ist, gilt es dieses Hindernis konkret zu machen, sodass es realistisch und prüfbar zu überwältigen ist. Einige Beispiele: S. schaut zu viel Pornos. Er nutzt diesen Kanal um seiner eigenen Wut und Lust auszuweichen. Er entscheidet sich, bis Ende August keine Pornos mehr zu schauen. Als Kontrollinstanz wählt er R. aus. Dieser soll wöchentlich beim ihm nachfragen, wie es steht. K. hat grundsätzlich die Tendenz, ihre Aufmerksamkeit auf Unwichtiges zu lenken. Sie verbringt viel Zeit am Handy, in Socialmedia, in Newsportalen, obwohl es sie gar nicht interessiert. Des weiteren macht sie tagsüber gerne mal ein Schläfchen... Da sie ein Körpertyp ist (dazu mehr im nächsten Eintrag), ist es für sie von zentraler Bedeutung, dass sie sich viel bewegt. N. schlägt ihr vor, sich jedesmal, statt für ein Schläfchen, für einen Spaziergang zu entscheiden. K. willigt ein. N. soll sie kontrollieren. Es folgen noch weiter Themen: Alkohol, Rauchen, Angst etc. (auch davon mehr in einem weitern Eintrag).

In dieser Woche haben wir "nebenbei" folgende Themen gestreift:

Sex: aufgeteilt in Frauen und Männer sind wir der Frage nachgegangen, warum wir Sex haben. Leider kam es nicht mehr dazu, die Ergebnisse der Männer und Frauen zusammen zu tragen. Da haben wir wohl bereits Futter für das Herbstretreat....

Liebe: aufgewühlt durch die ganze Care-Thematik stellt sich am vorletzten Abend die Frage, was und wo Liebe ist?! S. umreisst kurz die verschiedenen Formen der Liebe und die Entwicklung der Liebe durch die Stufen hindurch (siehe https://www.integralworks.ch/de/produkte/stufen-des-selbst für einen Überblick, wie sich Liebe durch die Stufen hindurch verändert). Eine anschliessende persönliche Runde, wo wir Liebe erfahren haben, haucht diesem Thema Leben ein. Die meisten von uns haben Liebe von unsern Eltern nur indirekt durch Gesten erfahren. M. berichtet davon, wie sie ihre Mutter erlebte, als diese sich für die Vermählung ihrer Tochter gegen die eigene Familie einsetzte... Am Tag der Abreise (M. kam in die Schweiz um zu heiraten), überreichte ihr ihre Mutter das traditionelle Geschenk für eine Hochzeit. M. war sofort klar, das ihre Mutter sie liebt.

Der letze Abend kommt... Wir versammeln uns ums Feuer und machen eine Abschlussrunde. Jeder erzählt von seinem persönlichen Highlight der Woche: T. erzählt, dass er zum ersten Mal ein Gefühl von "ich bin hier zuhause" erleben durfte.... S. erzählt, dass es für sie das erste Mal war, dass sie entspannt von der Liebe erzählen konnte. 

Der letzte Tag: vor der Putzaktion machen wir nochmals eine kleine Runde. A. dreht unsere Defizite um und betont, dass uns aus dieser Perspektive gar nichts fehlt, sondern wir mehr und anders wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Viele Menschen geben sich zufrieden mit dem was sie haben und wie sie leben. Dies gilt nicht für alle. It's not a bug, it's a feature!

 

fru hstu cksszene

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