Geschichte

Die frühen Jahre

Noch vor der Gründung des Vereins fanden die ersten Gruppensitzungen statt. Teilnehmer waren die späteren Mitglieder des Vereinsvorstands und die Leitung hatte Andreas, der spätere Präsident. Niemand von uns hatte irgendwelche Ambitionen, die Welt zu verändern – wir waren ausschliesslich von unserem egoistischen Bedürfnis nach einem besseren Leben getrieben. Ich würde sagen, dass diese ursprüngliche, rohe und egoistische Motivation, die Praxis zu betreiben ein Vorteil war. Sie verlieh uns einen gewissen Pragmatismus: Wir hielten uns nicht mit Techniken und Ideen auf, die keinen sofortigen Effekt hatten – stattdessen nahmen wir, was funktionierte und betrieben unsere Praxis ohne Kompromisse. Die Arbeit, welche wir in den Gruppensitzungen machten, welche vor allem Schatten- und Körperarbeit umfasste, war intensiv und transformativ; sie griff tief in unsere psychischen Strukturen ein und brachte Muster und Abwehrmechanismen zutage, die dort seit Jahrzehnten geschlummert hatten.

Dennoch waren die Gruppensitzungen nur ein kleiner Teil unserer Praxis: Der grösste Teil fand ausserhalb der regelmässigen Sitzungsabenden statt, denn in dieser Zeit trafen wir uns beinahe täglich. Eine Trennung zwischen persönlichen Beziehungen und der Gruppenarbeit gab es nicht und dies ganz bewusst: Eine solche Unterscheidung führt nämlich dazu, dass man während der Praxis eine bestimmte Rolle einnimmt und sich so niemals ganz zeigen muss. Freundschaften und auch intime Beziehungen innerhalb der Gruppe waren also nichts ungewöhnliches und oft sogar ein Resultat der Praxis. Denn wo kommt man einer anderen Person näher als in dieser Art von Gruppenarbeit?

Andreas' Rolle war in dieser Zeit von grosser Bedeutung. Nicht nur war er diesen Weg schon gegangen, doch konnte er persönliche Erfahrungen für jeden von uns übersetzen und uns so aus vielen persönlichen Zwickmühlen helfen. Ausserdem war es seine absolute Kompromisslosigkeit, die uns von Anfang an zeigte, was möglich ist und wie man dorthin kommt – sie legte den Grundstein für die Art, wie wir unsere Arbeit in die Welt bringen würden.

Gewisse Strukturen etablierten sich bereits damals: Von Anfang an organisierten wir vier Retreats pro Jahr. Für eine Woche bezogen wir ein Haus irgendwo in der Schweiz und widmeten uns ausschliesslich der Bewusstseinsarbeit. Der Effekt dieser Intensivwochen kann kaum übertrieben werden. Er brachte uns an unsere äussersten Grenzen – nicht selten überlegte sich jemand von uns, das Handtuch zu werfen und heimzugehen. Doch das Vertrauen in den Prozess und in die Gruppe half, die Krisen zu überstehen und nach jedem Retreat kehrten wir alle befreiter und leichter zurück zu unserem Leben.

Rückblickend waren diese Jahre so etwas wie die Jugendzeit unserer Bewegung: Sie waren intensiver als alles, was wir je erlebt hatten und schweissten uns stärker zusammen als jede "normale" Freundschaft es tat. Gleichzeitig kristallisierte sich zunehmend ein starker Antrieb in uns heraus, die Freiheit, die wir gewonnen hatten auch mit anderen Menschen zu teilen: Ab einem gewissen Punkt erschienen uns die regelmässigen Sitzungen weniger wie transformative Bewusstseinsarbeit, als wie eine persönliche Nabelschau, in welcher wir uns ausschliesslich mit uns selbst und unseren persönlichen Bedürfnissen beschäftigten, anstatt uns etwas grösserem zu widmen. 

 

Phase I: Verein für Integrales Leben

Es war in dieser Zeit, dass wir (nicht ohne Anstoss des damaligen Gruppenleiters) beschlossen, mit unserer Arbeit ernst zu machen und sie in die Welt hinauszutragen. Wir hatten gesehen, welch tiefes persönliches Wachstum sie ermöglichte und die Diskrepanz zwischen dem, was zwischen uns möglich war und dem, was wir erlebten, wenn wir uns in unserer normalen Umwelt bewegten, war riesig. Für mich persönlich will ich hier erwähnen, dass dieser Schritt nicht nur aus Wohlwollen und Mitgefühl geschah sondern auch mit einem gehörigen Mass an Frustration über die Unfreiheit und Inauthentizität meiner "normalen" Mitmenschen (was mich später in noch frustrierendere Situationen bringen würde).

Am 12.12.2012 (das Datum war Zufall) gründeten wir den Verein für Integrales Leben mit Sitz in Basel. Unser Kursangebot wurde offizieller und professioneller, doch lag die oberste Priorität noch immer bei unserem commitment zur Wahrheit. Das Resultat war ein (sehr) langsames Wachstum unserer Bewegung: Wenn jemand neues zu uns stiess, entschied sich innerhalb weniger Wochen, ob er oder sie bleiben würde. Viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen entschieden sich rasch gegen die Praxis und wir sahen sie nie wieder. Diejenigen, die sich für die Praxis entschieden, verbrachten die nächsten Jahre mit uns und das oft in intensivem persönlichem Kontakt (ein grosser Teil von ihnen ist noch heute dabei). Im Gegensatz zu den meisten anderen Gruppierungen unserer Art hatten wir immer nur sehr wenige "sporadische Begleiter", die über Jahre hinweg immer wieder auftauchen, sich aber nie wirklich entscheiden.

Während der sechs Jahre, die der Verein überdauerte gab es, neben den vielen schönen und lohnenden Momente auch Zeiten, in denen wir an den Herausforderungen dieser Arbeit beinahe zugrunde gingen. Der Spagat zwischen der kompromisslosen Selbstarbeit (die sich unter uns weiter zog) und dem ganz normalen Alltagsgeschäft eines Vereins, der Dienstleistungen anbietet, war immens. Einerseits war unser erstes Grundprinzip (das auch in den Statuten verankert war), dass die Arbeit Spass machen sollte und mangelnde Freude ein Zeichen dafür ist, dass man nicht auf dem richtigen Pfad ist – andererseits gab es jede Menge Arbeit, die einfach getan werden musste. Und dem Klo ist es am Ende egal, ob die Person, die es putzt, Spass bei der Arbeit hat – es muss einfach geputzt werden. Wir alle mussten in dieser Zeit lernen, mit diesem Paradox umzugehen und, obwohl es noch immer nicht ganz einfach ist, bin ich froh über diese Übungsphase, bei der es noch nicht um viel ging.

Was unsere Arbeit angeht, sammelten wir in dieser Zeit eine Menge Erfahrung und verfeinerten unsere Vorgehensweise. Wir lernten, besser auf eine bestimmte Situation zu reagieren und herauszufinden, wonach sie verlangte. Ich würde sagen, dass wir im Bereich der Bewusstseinsarbeit und besonders der Schattenarbeit eine Expertise aufbauten, die auch heute noch seinesgleichen sucht. Unsere Defizite lagen aber woanders: Obwohl wir auf unserem Gebiet mehr als kompetent waren, hatten wir kein Geld und kaum Klientel. Unser Vereinslokal konnten wir nur mit Quersubventionierungen bezahlen. Wir erkannten, dass wir mit zweierlei Problemen zu kämpfen hatten: Das eine war, dass unsere Strukturen uns Abläufe nicht effizient waren (im integralen Lingo würde man sagen: Unsere Entwicklung in den rechten Quadranten hinkte hinterher.) Das zweite Problem war, dass unsere Arbeit in einem Sektor stattfand, der finanziell sehr mager ist: Da wir stets mit Menschen zu tun hatten, die sich in Umbruchphasen befanden, war dort nichts zu holen und wir hielten uns auch stets an das Prinzip, dass Geld nicht der entscheidende Faktor sein durfte, wenn jemand unsere Hilfe suchte.

So entstand im Winter 2015 die Idee, unsere Erfahrung im Bereich der Bewusstseinsarbeit in einen Bereich zu tragen, der ihn erstens bitter nötig hatte und zweitens gut betucht war. Unter dem Namen IntegralWorks begannen wir, uns in den Wirtschaftssektor vorzutasten und gaben auch gleich ein erstes Produkt heraus: Das Plakat Stufen des Selbst, welches die persönliche Entwicklung vom Kleinkind bis zu den Integralen Stufen aufzeigt und die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Teilen der Persönlichkeit erklärt. Wir mieteten uns Im Walzwerk in Münchenstein ein und begannen, dort unser Büro und weitere Räumlichkeiten aufzubauen und einzurichten.

 

Phase II: Integral Schweiz & IntegralWorks

Es war von Anfang an klar, dass IntegralWorks eine Firma sein würde und zwar eine Aktiengesellschaft. Deren Gründung zog sich allerdings hin;  Ende 2017 wurde klar, dass das Hindernis der Verein war: Erst wenn die alte Struktur gestorben war, konnte die neue geboren werden. Und so lösten wir im November 2017 (schweren Herzens) den Verein auf.

In der Zeit darauf waren wir stark auf die Gründung der AG konzentriert und darauf, deren Grundstrukturen zu legen. Da wir unser Kursangebot aber weiterführen wollten, benötigten wir ein neues Gefäss dafür, denn die Firma war nicht geeignet. Simon, der unter anderem für unsere Rechtsberatung zuständig ist, brachte die Idee der Genossenschaft ins Spiel, die so etwas wie die Mutterorganisation der AG sein könnte. Gleichzeitig könnte sie unsere Kurse, Seminare und Retreats tragen, Unterlagen herausbringen und so etwas wie eine Anlaufstelle für andere integrale Organisationen in der Schweiz sein. In diesem Zuge könnte sie die Qualitätskontrolle in der integralen Szene Schweiz übernehmen und eine Art Label oder Qualitätssiegel vergeben, welches sicherstellt, dass wo „integral“ draufsteht, auch „integral“ drin ist. Die Ideen gingen uns also nicht aus und so entstand unter dem Namen Integral Schweiz, bzw. IntegralCH Genossenschaft eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Basel, welche nun einen Anteil an der Aktiengesellschaft hält.

So sind wir nun also aufgestellt: Mit der IntegralWorks AG konzentrieren wir uns auf Tools und Seminare im Bereich Organisationsstrukturen, Organisationskultur und Führungskompetenz; diese Arbeit ist uns wichtig, weil Organisationen einen grossen Hebeleffekt haben und kleine Veränderungen in diesem Bereich grosse Folgen haben können. Für unsere Verhältnisse ist die Arbeit aber eher „seicht“, da es hier nicht darum geht, tief in der Psyche der Beteiligten zu graben und ihr wahres Selbst zutage zu fördern – vielmehr geht es um kleine Veränderungen mit grosser Tragweite. Integral Schweiz und das Projekt Integrales Leben dagegen übernimmt jene Arbeit, die tief schürft und hoch greift, dabei aber oft nur Individuen und kleine Gruppen betrifft.

 

In unserer Arbeit sehen wir eine grosse Dringlichkeit: Die Integralen Bewusstseinsstufen befinden sich an einem kritischen Punkt in ihrer Etablierung. Die Pioniere haben ihre Arbeit getan – die Pfade sind ausgelotet und verzeichnet. Die Zahl der „Nachzügler“ wird immer grösser und es ist an uns, dafür zu sehen, dass ihnen keine Hindernisse im Weg liegen und gleichzeitig, dass die Pfade, auf denen sie gehen, nicht ausgetreten werden.

Wenn du dieses Gefühl der Dringlichkeit teilst und mit uns arbeiten möchtest – sei es als Teilnehmer, Mitglied oder kooperative Organisation – dann zögere nicht, dich bei uns zu melden. Wir freuen uns, dich kennenzulernen!

-Silas